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Herausforderndes Verhalten

Aggressives und delirantes Verhalten

Eine Demenzerkrankung verändert das Leben von Patienten auf vielen Ebenen: Die Wahrnehmung der Umwelt funktioniert nicht mehr wie gewohnt. Und auch das logische Denken, das Einordnen von Eindrücken und die selbständige Organisation werden zunehmend beeinträchtigt. Ein Mensch mit Demenz wird zunehmend von anderen Menschen abhängig, die ihn nicht immer richtig verstehen, weil er seine Bedürfnisse oft nicht mehr so gut ausdrücken kann.

Das alles verunsichert die Patienten und ihre Betreuer. Es ist oft frustrierend oder macht gar Angst. So können leicht Aggressionen entstehen – auf beiden Seiten.

Gleich wie bei häuslicher Gewalt generell können Aggressionen alle möglichen Formen verbaler, psychischer und physischer Gewalt annehmen und vom Ignorieren der Intimsphäre über einen demütigenden Umgangston, Drohungen und Beleidigungen bis zu handfesten Auseinandersetzungen oder auch sexueller Gewalt reichen.

Wenn sich Betreuende und Pflegende bewusst mit dem Thema auseinandersetzen, können sie aber in vielen Fällen Aggressionen vorbeugen oder sie frühzeitig erkennen, wenn nötig Hilfe holen und auch sich selber schützen.

Aggressionen

Aggressionen sind Handlungen, die eine innere Spannung aufzulösen versuchen. Hinter der feindseligen Aggression verbergen sich häufig Frustration, Wut, Abwehr. Es kommt meist zu tätlichen Handlungen, wenn die Betroffenen verbal nicht in der Lage sind, ihren Frust auszudrücken.

Frühwarnzeichen der Aggression:

Feindselige Grundstimmung

Ungewöhnliche Aufregung oder Passivität

Psychomotorische Anspannung und Erregung

Gewalttätige Gestik

Geringere Körperdistanz und sachbeschädigende Impulse

Schnell wechselnde Stimmung

Veränderte nonverbale Kommunikation

Übersensible Reaktion auf Kontakte und Kritik

Androhung von Übergriffen

Möglichkeiten, aggressivem Verhalten vorzubeugen:

  • Aggressive Äusserungen paraphrasieren und offene Fragen stellen Sprache/ Fragestellung Mimik/ GestikValidation
  • Ablenkung anbieten; langfristig: Kontakte mit anderen Menschen und Beteiligung am Alltag ermöglichen, damit sich keiner ausgeschlossen fühlen muss. ErgotherapieTherapiemöglichkeiten
  • Herstellung und Aufrechterhaltung eines aggressionsformen Milieus: z.B. den Alltag einfach und ruhig gestalten, eine angenehme Atmosphäre schaffen und Probleme taktvoll ansprechen.
  • Raum für Gespräche bewusst auswählen; Türe sollte für beide Gesprächspartner problemlos erreichbar sein, damit sich keiner in die Enge getrieben vorkommt.
  • Selbst wieder zur Ruhe kommen, indem man zum Beispiel versucht, mit anderen Tätigkeiten Distanz zu gewinnen (zu den fremden und den eigenen Aggressionen); das Problem mit Freunden besprechen, oder auch mit Fachleuten (zum Beispiel mit Pflegefachleuten von der Spitex oder mit Ärzten).
  • Langfristig durch entsprechende Strukturen in den Pflegeinstitutionen: z.B. angstfreie Ausgangssituation für die Mitarbeitenden herstellen

Möglichkeiten, aufgebrachte Personen zu beruhigen – und sich selber zu schützen:

  • Grenzen setzen und Raum geben
  • zuhören, Verständnis zeigen und wenn möglich Hilfe zur Selbsthilfe anbieten. Sprache/ Fragestellung Mimik/ GestikValidation
  • aufgeregten Personen genug Raum lassen, nicht versuchen, sie festzuhalten.
  • Aggression nicht ignorieren;  
  • wenn nötig den Raum verlassen, damit sich die aufgeregte Person beruhigen kann.
  • wenn nötig Hilfe holen.
  • professionelle Hilfe holen, wenn das aggressive Verhalten häufig vorkommt oder sich verschlimmert.

Mehr Informationen

Wo hole ich mir Hilfe?

  • Kontakt aufnehmen mit dem Hausarzt / der Hausärztin, einer Pflegefachperson der Spitex, einer Selbsthilfegruppe von Angehörigen oder mit den psychiatrischen Diensten. ÄrzteAlzheimervereinigung
  • Entlastung für Pflege und Betreuung holen: Spitex, SRK, Heime

Delir

Menschen mit Demenz haben ein erhöhtes Risiko für ein Delir. Denn oft leiden sie unter verschiedenen Krankheiten und müssen deshalb mehrere Medikamente einnehmen. Zudem können sie ihre Bedürfnisse schlecht äussern, was zu einseitiger Ernährung, Langeweile oder Reizüberflutung führen kann – lauter mögliche Auslöser für ein Delir.

Delir und Demenz unterscheiden

Bei einer Demenzerkrankung stellen sich Verwirrung und verändertes Verhalten langsam und schleichend ein. Kommen sie plötzlich und heftig, sollte der Patient sofort vom Hausarzt oder im Krankenhaus untersucht werden, da es sich um ein Delir handeln könnte.

Im Unterschied zu einer Demenz verschwindet ein Delir wieder, so bald die Ursachen gefunden und beseitigt werden.

Vorbeugen

Sehr viele Massnahmen, die Aggressionen vorbeugen, vermindern auch das Risiko für ein Delir.

Dazu gehören eine ruhige, aber nicht langweilige Umgebung ebenso wie die Anwesenheit von Bezugspersonen, an die der Demenzpatient gewöhnt ist und die ihm ein Gefühl von Sicherheit vermitteln können.